
die vergangenen Monate haben erneut gezeigt, wie eng die Entwicklung unseres Unternehmens mit den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Energiemarktes verbunden ist. Während die politischen Diskussionen über die künftige Ausgestaltung der erneuerbaren Energien in Deutschland weitergehen – Stichpunkt Gaskraftwerksstrategie –, arbeiten wir als ABO Kraft & Wärme AG konsequent daran, unser Anlagenportfolio für die kommenden Jahre aufzustellen und unsere strategischen Ziele umzusetzen.
Dabei bleibt unsere Einschätzung unverändert: Eine sichere und unabhängige Energieversorgung braucht neben Wind und Sonne auch regelbare erneuerbare Energien. Biogas und insbesondere Biomethan können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und hoher Abhängigkeit von Energieimporten ist es aus unserer Sicht mehr als sinnvoll, auf heimisch erzeugte und flexibel einsetzbare nachhaltige Energie zu setzen.
Anlässlich der Hauptversammlung am 17. Juli in Wiesbaden haben wir gemeinsam mit unseren Aktionärinnen und Aktionären auf das vergangene Geschäftsjahr zurückgeblickt.
43 Aktionärinnen und Aktionäre sowie Stimmrechtsvertreterinnen und -vertreter nahmen mit insgesamt 5.206.288 Aktien teil. Damit waren rund 83 Prozent des Grundkapitals vertreten. Sämtliche Vorschläge der Verwaltung erhielten die notwendige Mehrheit; Gegenanträge gab es keine.
Wir bedanken uns bei allen Aktionärinnen und Aktionären für das entgegengebrachte Vertrauen und die ebenso kritische wie sachliche Begleitung der weiteren Entwicklung unseres Unternehmens.
Die Hauptversammlung hat damit zugleich den Rahmen für die nächsten Schritte bestätigt: die ABO Kraft & Wärme AG wird sich neben dem Betrieb und der Optimierung des bestehenden Portfolios auf die Einwerbung von Kapital zur Umsetzung der geplanten Umbauarbeiten konzentrieren. Sollte absehbar werden, dass die Akquise genügender Mittel nicht gelingt, ist auch ein Verkauf einzelner Projekte denkbar. Mit dem Verkaufserlös können dann die bestehenden Verbindlichkeiten getilgt und die Investitionen in die Umbauarbeiten des verbleibenden Portfolios getätigt werden.
Währenddessen bleibt die energiepolitische Situation für die Branche schwierig. Ende Juli hat das Bundeskabinett den Entwurf für das EEG 2027 beschlossen. Aus Sicht der Bioenergieverbände bleiben wesentliche Fragen ungelöst. Zusammen mit dem Fachverband Biogas kritisieren wir insbesondere die vorgesehenen Ausschreibungsvolumina für Biomasse sowie die fehlende Perspektive für viele bestehende Anlagen, deren EEG-Förderung in den kommenden Jahren ausläuft. Insbesondere auch die geplante Streichung der Ausschreibung für hochflexible Biomethan-Blockheizkraftwerke sehen wir kritisch.
Aus unserer Sicht ist die aktuelle Entwicklung nicht nachvollziehbar. Gerade angesichts der geopolitischen Lage und der weiterhin bestehenden Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten sollte die heimische Bioenergie eine stärkere Rolle im Energiesystem erhalten. Biogas kann gespeichert und flexibel eingesetzt werden und damit eine wichtige Ergänzung zu Wind- und Solarenergie darstellen.
ABO Kraft & Wärme hat sich bereits früh entschieden, die Chancen von Biomethan stärker zu nutzen. Wir verfolgen deshalb weiterhin das Ziel, bestehende Anlagen schrittweise zu Biomethan-Einspeiseanlagen umzurüsten und damit die Wertschöpfung aus der erzeugten erneuerbaren Energie zu erhöhen.
Bei der Umsetzung der europäischen RED III-Richtlinie sind dagegen Fortschritte zu vermelden: Die novellierten deutschen Nachhaltigkeitsverordnungen wurden im Juli zur Notifizierung bei der Europäischen Kommission eingereicht und sollen voraussichtlich im Oktober in Kraft treten.
Operativ konzentrieren wir uns weiterhin auf die Optimierung unserer bestehenden Anlagen. Die im vergangenen Jahr eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung von Auslastung, Substratversorgung und Kostenstrukturen werden fortgesetzt. In den zurückliegenden Monaten seit Erscheinen des letzten Newsletters konnten alle Anlagen erwartungsgemäß und ohne größere ungeplante Unterbrechungen operieren.
Parallel arbeiten wir an den nächsten Entwicklungsschritten für unser Anlagenportfolio. Die Standorte im Brandenburgischen, Neulewin, Friedland und Storkow, werden zu Biomethan- Einspeiseanlagen entwickelt. Bei unseren Abfallvergärungsanlagen liegt der Schwerpunkt weiterhin auf einer möglichst hohen und wirtschaftlichen Auslastung; zusätzlich wollen wir auch die AVA Ettinghausen mit einer Anlage zur Biomethan-Gaseinspeisung umbauen.
Damit schaffen wir Schritt für Schritt die Voraussetzungen für die nächste Entwicklungsphase des Unternehmens. Die entsprechenden Investitionen sind allerdings kapitalintensiv. Deshalb bleibt die Einwerbung zusätzlichen Eigenkapitals eine zentrale Aufgabe für Vorstand und Geschäftsleitung.
Die Gespräche mit potenziellen Investoren dazu wurden in den vergangenen Monaten weitergeführt. Dabei sprechen wir sowohl mit finanzstarken Kapitalgebern als auch mit strategischen Partnern aus der Energie- und Biogasbranche. Unser Ziel ist es, die Finanzierung der geplanten Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen für die kommenden Jahre sicherzustellen.
Die Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres zeigt, dass wir bei der Umsetzung unserer Strategie vorankommen. Der Konzernabschluss 2025 weist ein Konzernergebnis von rund -3,6 Millionen Euro aus. Das EBITDA lag – bereinigt um Sondereffekte, insbesondere die letzte Abschreibung im Zusammenhang mit der Insolvenz der Landwärme GmbH – bei rund 50 Tausend Euro. Dies entspricht der in der diesjährigen Hauptversammlung vorgestellten Erwartung.
Wir befinden uns in einer von Investitionen geprägten Ausbauphase. Die wirtschaftlichen Effekte der geplanten Biomethanprojekte werden sich erst nach deren Inbetriebnahme zeigen. Gleichzeitig sehen wir in der Kombination aus vorhandenen Anlagen, eigener Betriebskompetenz und der Entwicklung hin zur Biomethaneinspeisung eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung der Gesellschaft.
Unsere Aktivitäten im Bereich Energie-Contracting haben wir, wie bereits berichtet, mit der Inbetriebnahme des Projekts „Wendenschlossquartier“ Anfang 2026 beendet. Um sich auf die Vergärungsanlagen zu fokussieren, werden keine weiteren Planungen zu Contracting-Projekten durchgeführt. Ausblick Die kommenden Monate werden sowohl politisch als auch für unser Unternehmen wichtig. Im weiteren parlamentarischen Verfahren zum EEG 2027 wird sich zeigen, ob die berechtigten Interessen der Bioenergiebranche noch stärker berücksichtigt werden.
Unabhängig davon werden wir unsere eigenen Vorhaben konsequent weiterverfolgen. Unser Ziel bleibt es, aus dem vorhandenen Anlagenportfolio Schritt für Schritt zusätzliche und nachhaltige Wertschöpfung zu entwickeln.
Wir blicken deshalb trotz des weiterhin anspruchsvollen Umfelds zuversichtlich auf die weitere Entwicklung der ABO Kraft & Wärme AG und freuen uns, Sie auch künftig an der Seite Ihres Unternehmens zu wissen.
Herzliche Grüße
Matthias Bockholt und Dr. Jochen Ahn
Vorstände der ABO Kraft & Wärme AG